Mittwoch, 3. Oktober 2012

Samen - groß, klein, lila, rotierend

So langsam aber sicher ist es richtig Herbst. Morgens ist es schon sehr kühl (Handschuhe anziehen, wenn man morgens mit dem Fahrrad unterwegs ist), nebelig und nass. Die Tage sind ebenfalls wunderbar - sonnig, warm (aber nicht heiß).


Die Sonnenblume hat sich freundlicherweise zu mir runter gebeugt.

In letzter Zeit waren die Posts doch eher selten und kurz, ich habe im Moment einfach zu viel anderes zu tun. Aber heute mal wieder mehr zum Lesen:

Zeit nach dem Gemüse zu sehen! Ich möchte nach diesem meinem ersten Jahr als Gemüsegärtnerin auch schon das erste eigene Saatgut gewinnen. Gerade recht kam mir da die Samen-Rotation von Lina Lunas Gartenwelt:




Bohnen: Bei keinem Gemüse ist es wohl so einfach, das Saatgut zu gewinnen. Deshalb fange ich damit an.





Die wunderbaren lila Bohnen sind Feuerbohnen. Sie blühen hellrot, die Schoten sind grün.
Die eher unscheinbaren hellen Bohnen gehören zu Blauhilde. Diese Bohnen blühen lila und die Schoten sind ebenfalls dunkellila - im oberen Bild sieht man noch welche. Und sie schmecken einfach fantastisch!
Im nächsten Jahr baue ich auf jeden Fall wieder Stangenbohnen an - und ich will weitere Sorten ausprobieren. Es ist zwar etwas aufwändig, weil man ihnen ein Klettergerüst bauen muss, aber dann wachsen sie in die Höhe und sind damit auch gut für kleinere Gärten geeignet. An einem Zaun würden sie sicher auch gut wachsen, haben wir aber nicht.
Die Bohnen brauchen senkrechte Drähte oder Stangen/Stöcke zum Klettern. Es reicht, wenn diese 2 m hoch sind, auch wenn die Angaben zur Wuchshöhe teils deutlich höher liegen. Wenn sie oben angekommen sind, kann man sie entweder abschneiden oder sie lassen die Triebe nach unten hängen und wachsen nach unten weiter. Aber für größere Konstruktionen braucht man dann wieder eine Leiter zum Ernten.
Mein Experiment mit dem Bohnenzelt ist geglückt - kann ich nur empfehlen und ist ziemlich einfach zu bauen. Ich spiele mit dem Gedanken, die Stangenbohnen an einem Rosenbogen ranken zu lassen, vielleicht sogar über einen Weg im Gemüsegarten drüber. Hm, wenn der Winter kommt, kann ich mir das überlegen.

Kürbis: Meine 2 Hokkaido-Pflanzen haben ganze 4 Kürbisse hervorgebracht. Großzügig gezählt. Dabei habe ich sie beide in jeweils ein großes Loch voller Kompost gepflanzt und einmal gedüngt. In kürzester Zeit überwucherten sie die ihnen zugedachte Ecke. Mittlerweile sind die Blätter und Ranken abgestorben und auch schon abgeräumt. Übrig geblieben sind diese hier:


Tomaten:
Wie auf dem Bild zu sehen ist, gibt es auch noch Tomaten. Ich habe jetzt allerdings die Pflanzen alle schon abgeräumt und bin gerade dabei alle roten Früchte zu ernten und die grünen zu sammeln um sie nachreifen zu lassen.

So sah das auf der Terrasse aus:


Ich hatte deutlich zu viele Tomatenpflanzen! Es waren ca. 18 Pflanzen und sie haben alle sehr reichlich getragen. 2 Pflanzen habe ich aber schon frühzeitig entsorgt, da hier alle Früchte gefault sind. Und ich musste alle alleine essen. Der Rest der Familie mag gar keine oder wollte nach kurzer Zeit keine mehr. Zweimal habe ich leckeren Tomaten-Sugo gekocht. Trotzdem waren es zu viele... Ich hatte nicht damit gerechnet, dass alle Pflanzen überleben und auch noch so gut tragen. Nächstes Jahr also weniger.

Um grüne Tomaten nachreifen zu lassen, gibt es mehrere Möglichkeiten:
1 - Die kompletten Pflanzen kopfüber aufhängen, Blätter entfernen, möglichst ein luftiger, warmer Ort. Ein Schuppen geht aber auch.
2 - Tomaten grün pflücken, an einem warmen Ort nachreifen lassen. Wird ein Apfel dazugelegt, reifen sie schneller. Möglichst die Stiele dran lassen, dann hat Fäulnis weniger Chancen.

Licht wird übrigens interessanterweise nicht benötigt! Wärme ist wichtig.

Soweit die Theorie - ich probiere Möglichkeit 2. Da ich meine Tomatenpflanzen etwas ziemlich habe verwildern lassen, sind sie teils riesig geworden. Auf dem Bild oben liegt auf der linken Seite eine einzige Pflanze! Außerdem habe ich keinen passenden Ort um sie aufzuhängen.

Hier die bisherige Teilausbeute grüner Tomaten, die Hälfte der Pflanzen habe ich mittlerweile abgeerntet:



Experiment 2 mit meinen Tomaten: Tomatensamen gewinnen. Aus den interessanten rot-schwarzen russischen Tomaten möchte ich Samen gewinnen. Die jungen Pflanzen habe ich auf einem Pflanzenflohmarkt von einer  Russin gekauft, die sie immer aus selbst gezogenen Samen zieht.

Dazu habe ich im Internet zwei Vorgehensweisen gefunden:

Einfach: Samen aus der Tomate drücken, waschen und auf Papier oder einem Tuch trocknen lassen.

Kompliziert:
- Samen aus der Tomate drücken
- In ein kleines Glas Samen mit Glibber und Wasser geben, vergären lassen. Dabei sollen Krankheitskeime abgetötet werden. Auf der Oberfläche bildet sich ein geschlossener Schimmelrasen und es stinkt... - deshalb am besten draußen stehen lassen.
- Nach etwa 3 Tagen (unbedingt bevor sie beginnen zu keimen) gründlich auswaschen, auf ein Tuch legen und trocknen lassen

Ich probiere erst mal die einfache Variante. Wie macht ihr das?

Noch nicht geerntet sind Wirsing und eine letzte Peperoni:


Mein Raupenwirsing. Ich habe ihn stehen lassen und auch schon lange keine Raupe mehr gesehen. Vielleicht wird ja doch noch was draus.


Dies ist eine gelbe Peperoni.

Sie hat es nur vergessen. Sie war mal gelb und alle Geschwister waren gelb und das Samentütchen hat das auch gesagt. Aber Mr. Peperoni hat seine Meinung geändert und ist jetzt rot geworden. Mit zunehmender Reife werden sie immer schärfer. Ich trau mich noch nicht, ihn zu ernten. Samen ziehe ich hieraus auch nicht, es handelte sich um eine F1-Hybride.

Bohnen und Tomatensamen gehen in die Samenrotation - und noch eine Überraschung.
(Mein Mann sagt, Samen-Rotation klingt nach Swinger-Club...)

Viele Grüße aus dem herbstlichen Regenwurmgarten

Kommentare:

  1. Wahnsinn! Die Tomaten - wow! Meine haben sonst auch "gut" getragen, aber sowas wie bei Dir habe ich noch nie gesehen. Dieses Jahr war es dann eine sehr, sehr karge Ausbeute, was vermutlich daran liegt, dass ich anders, weniger und "bio" gedüngt habe - der Dünger war wohl nicht optimal.
    Das mit den Kernen mache ich übrigens immer nach Variante eins, also einfach auf Zellpapier auslegen und trocknen lassen, das hat immer super funktioniert.
    Beim Anziehen dann benutze ich allerdings "Wachstumshilfe", so ein flüssiges Zeug von Neudorff.
    Mensch, und ich dachte, ich bin mit meinen 8 Tomatenpflanzen schon nicht schlecht... :)
    LG /inka

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  2. Antworten
    1. Und lecker! Der erste ist schon gegessen, genau die richtige Größe für eine Portion.

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  3. Oh, die Bohnen sind ja wahre Schmuckstücke!
    Bei der Ernte von Tomatensamen mache ich es mir einfach: Ich lasse die Samen auf einem Stück Küchenkrepp trocknen. Da kann ich auch den Sortennamen draufschreiben. Im nächsten Jahr erst puhle ich die Samen ab und säe sie aus.
    Hat immer geklappt.
    VG
    Elke

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  4. Wow, Du hast ja eine Mega-Ernte gehabt. Eigenes Tomatensugo schmeckt total super, wir haben auch zweimal eines eingekocht. Die Kürbisse können sich aber auch sehen lassen. Feuerbohnen (bei uns Käferbohnen) habe ich auch angebaut.

    lg kathrin

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  5. Hahaha. Swinger-Club. Pruuust! Naja, ich hab auch lange überlegt, ob man die Aktion so nennen kann... und an einigen Ecken sind schon "Sprüche" aufgetaucht. Ach, naja. Ist doch lustig.
    Wir wissen ja alle, um welche Samen es geht. Hehe. ;)
    Bin gespannt auf Deine Samen! Klingt doch toll! :)

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  6. Für die vielen grünen Tomaten habe ich ein richtig gutes Chutneyrezept, zu finden unter dem Label "Tomaten" und dem Titel "Grüne Tomaten". Davon brauche ich dieses Jahr mehr!!! Aber 18 Pflanzen würde ich gar nicht in meinem Garten unterkriegen ;-)
    Liebe Grüße, Jule

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